Impressionen von einer Teilmehmerin:
Tranny-Ball am 9.10.2010 im Haus Bonifatius in Essen
Für jede Frau stellt sich bei einem in Aussicht stehenden Ballbesuch natürlich die Frage: „Was ziehe ich an?“ Mein eigentlich gut gefüllter Kleiderschrank gab mir darauf keine wirklich befriedigende Antwort, insbesondere als die fiesen kleinen Kalorien (das sind die gemeinen Tierchen, die nachts heimlich unsere Kleider enger nähen) im letzten Jahr wieder aktiv gewesen waren. Also war eine intensive Internetrecherche unausweichlich (bei Größe 58 erübrigt sich jede andere Shoppingtour). Zum Glück bestand das Orgateam in diesem Jahr nicht mehr auf einem Braut- oder Ballkleid, sondern war auch mit straßentauglichen Outfit zufrieden. So gerne ich ja ein Ball- oder Brautkleid tragen würde, aber nur für den Tranny-Ball ist das m.E. eine zu große Investition und wo sonst kann frau so was schon anziehen?
Nach vielem Hin und Her entschied ich mich für einen langen, weiten Taftrock mit einem festlichen Chiffonoberteil.
Am Samstagmorgen zog ich mich gleich nach dem Aufstehen als Frau an, schminkte mich und setzte meine Perücke auf. Fine war abreisebereit. Leider wollte mich meine Frau diesmal nicht begleiten. Gegen Mittag fuhr ich los. Eine Internetbekanntschaft hatte angeboten, mich zu schminken, was ihr auch, nachdem sie mich noch Kaffee und Kuchen verwöhnt hatte, sehr gut gelang. Gegen 17 Uhr fuhr ich weiter zum IBIS-Hotel in Essen. Obwohl mein Passing sicher nicht besonders gut ist, bereitete das Einchecken en femme auch diesmal wieder keine Probleme.
Im Zimmer zog ich dann meine Ballkleidung an. Damit ich nicht wie schwanger aussah, zog ich noch ein Schnürkorsett über mein elastisches Korsett. Weil ich es den ganzen Abend tragen würde, schnürte ich es aber nur mäßig.
Auch die Fahrt mit dem Taxi zum Haus Bonifatius, wo der Ball stattfand, verlief problemlos. Natürlich war ich wieder mal fast die Erste. Nach und nach kamen dann auch die anderen „Schwestern“ bis wir schließlich mit etwa 30 Mädels vollständig waren. Essen und Trinken waren im Haus Bonifatius preisgünstig und gut, die Bedienung freundlich und sehr aufmerksam. Einige Besucherinnen hatten ihre Braut- und Ballkleider aus dem Schrank geholt, einige trugen festliche Kleidung und einige wenige trugen die bei TVs offensichtlich sehr beliebten Minikleider (die aber nur den wenigsten wirklich stehen).
Das Orgateam hatte sich sehr viel Mühe gegeben. Jede Besucherin erhielt ein Kärtchen mit einer kleinen Brosche und ein Los für eine Tombola (ich gewann übrigens den dritten Preis, ein sehr schönes Duschgel mit einer weiblichen Duftnote). Anja präsentierte eine kleine Comedienummer. Die Musik war angenehm so dezent, dass man sich ohne Anschreien unterhalten konnte. Allerdings fühlte sich auch keine aufgefordert, zu tanzen.
Erst nach Mitternacht brachte mich eine Taxe zum Hotel zurück. Nach einer kurzen, nicht sehr ruhigen Nacht ging ich schon verhältnismäßig früh zum Frühstücken. Auch hier fiel ich offenbar nicht weiter auf. Ich denke, wir TGs machen uns viel zu viel Gedanken um unsere Akzeptanz in der Öffentlichkeit. Wenn wir nicht gerade im knallengen Mini und den höchsten High Heels durch die Gegend stöckeln, fallen wir selbst bei nicht so tollem Passing nicht weiter auf.
Gegen Mittag war ich wieder zu Hause. Noch einmal herzlichen Dank dem Orgateam. Sicher sehen viele gar nicht, wie viel Arbeit hinter der Organisation einer solchen Veranstaltung steckt. Ich würde mir wünschen, dass diese Arbeit durch eine regere Teilnahme gewürdigt würde und wir uns auch im nächsten Jahr wieder auf eine ähnliche Veranstaltung freuen können.
Das Team Tranny-Ball.